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Cyanotypie: Mit Sonnenlicht und Wasser auf Papier zeichnen
Das Sonnenlicht kann mehr als wärmen. Auf speziell vorbereitetem Papier hinterlässt es tiefe, samtige Blauschattierungen. Die Cyanotypie, oft auch Sonnendruck genannt, verbindet Naturbeobachtung mit einem einfachen Druckverfahren. Man braucht dafür weder eine Dunkelkammer noch teure Apparate, sondern nur Papier, Sonnenstrahlen und klares Wasser.
Berliner Blau und Sonnenstrahlen
Die Technik wurde im Jahr 1842 von dem englischen Naturforscher Sir John Herschel entwickelt. Sie beruht auf einer lichtempfindlichen Lösung aus zwei ungiftigen Eisensalzen. Bestreicht man Papier damit und lässt es im Dunkeln trocknen, entsteht ein zartes, grüngelbes Blatt.
Legt man nun einen Gegenstand auf dieses Papier und legt es in die Sonne, geschieht das kleine Wunder. Das UV-Licht der Sonne wandelt das Eisensalz um. Überall dort, wo das Licht auf das Papier trifft, entsteht unlösliches Berliner Blau. Wo ein Blatt oder Farn den Untergrund beschattet, bleibt das Papier geschützt.
Nach wenigen Minuten im Sonnenlicht wird das Blatt in kaltem Leitungswasser ausgewaschen. Das Wasser stoppt die Reaktion und schwemmt die unberührten Reste fort. Was bleibt, ist ein gestochen scharfes, weißes Abbild auf tiefblauem Grund.
Anna Atkins und das erste Fotobuch
Nur ein Jahr nach der Erfindung griff die englische Botanikerin Anna Atkins das Verfahren auf. Sie suchte nach einem Weg, zarte Algen und Farne der britischen Küsten exakt festzuhalten. Zeichnungen von Hand waren mühsam und oft ungenau.
Mit der Cyanotypie schuf Atkins zwischen 1843 und 1853 das erste mit fotografischen Methoden illustrierte Buch der Geschichte. Wie das renommierte Monopol Magazin in einem Porträt über Anna Atkins beschreibt, sicherte ihr dieser Pioniergeist einen festen Platz in der Kunst- und Fotogeschichte. Ihre blauen Pflanzendrucke faszinieren durch die Ruhe und Klarheit, die ihnen bis heute innewohnt.

Pflanzen für den Sonnendruck auswählen
Für den Einstieg eignen sich getrocknete und flach gepresste Pflanzen am besten. Farne mit ihren feinen Verzweigungen, Gräser von Wegrändern oder die zarten Adern von Ahornblättern ergeben besonders ausdrucksvolle Konturen.
Wer im Spätsommer durch den Garten oder Park geht, findet reichlich Material. Beim Sammeln gilt wie immer die Rücksicht auf die Natur: Nehmen Sie nur einzelne Blätter von häufigen Pflanzen oder nutzen Sie Schnittgut aus dem eigenen Garten. Frische Pflanzen enthalten viel Feuchtigkeit und sollten vorher für einige Tage zwischen Zeitungsseiten gepresst werden.
Licht, Zeit und Wasser
Ein großer Reiz des Sonnendrucks liegt in seiner Einfachheit. Sie können fertiges Cyanotypie-Papier nutzen oder Aquarellpapier selbst bestreichen.
Eine Glasscheibe aus einem alten Bilderrahmen hilft, die Pflanze flach auf das Papier zu drücken. Im direkten Sommerlicht genügen oft drei bis fünf Minuten Belichtungszeit. An bewölkten Tagen dauert es etwas länger. Das anschließende Ausspülen unter fließendem Wasser dauert nur zwei Minuten. Während das Blatt an der Luft trocknet, dunkelt das Blau noch etwas nach.
Das können Sie tun
- Sammeln Sie beim nächsten Spaziergang zwei oder drei flache Blätter oder Gräser und pressen Sie diese für einige Tage in einem dicken Buch.
- Legen Sie Ihre gepressten Pflanzen auf ein Blatt Sonnendruckpapier und beschweren Sie alles mit einer sauberen Glasscheibe.
- Belichten Sie das Blatt für wenige Minuten in der Sonne, spülen Sie es gründlich mit kaltem Wasser aus und lassen Sie Ihr blaues Naturunikat trocknen.
Quellen
- Monopol Magazin, Fotografie-Pionierin Anna Atkins: Aus dem Blauen heraus: https://www.monopol-magazin.de/fotografie-pionierin-anna-atkins-aus-dem-blauen-heraus
- Staatliche Museen zu Berlin, Sammlungen der Kunstbibliothek zu Edeldruckverfahren: https://www.smb.museum/
- NABU, Ratgeber zum Pflanzenschutz und Schonen wild wachsender Arten: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzen-schuetzen/blumen-pfluecken.html